offener Brief

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Im Februar 2019 hat das Aktionsbündnis Pflege steht auf einen offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verfasst, um auf die dramatische Situation in der pflegerischen Versorgung aufmerksam zu machen und  die aus unserer Sicht dringend notwendigen Veränderungen gegenüber dem Bundesgesundheitsminister zu kommunizieren.

Hier der Wortlaut (die Forderungen des Aktionsbündnisses findet Ihr hier):

An das
Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
Friedrichstraße 108, 10117 Berlin
Herrn Bundesminister Jens Spahn
Bremen, im Februar 2019
 
Sehr geehrter Herr Bundesminister Spahn,
bereits im Jahr 2013 hat das Aktionsbündnis „Pflege steht auf“ in Bremen mit seiner Kampagne „Pflege am Limit“ aufgezeigt, wie es um die Pflege in der Bundesrepublik Deutschland steht und hat damit große Resonanz bei einem breiten Publikum gefunden.
 
Heute – fünf Jahre später – kann eine ausreichende pflegerische Versorgung noch weniger sichergestellt werden – das System Pflege kollabiert!
Wir Pflegenden sind am Ende unserer Kraft angelangt. Wir sind frustriert und haben das Gefühl, dass unsere Würde und die der pflegebedürftigen Menschen mit Füßen getreten werden. Wir fühlen uns „verheizt“. Wir sind wütend und sprachlos, dass die Politik das eigene Versagen nicht wahrnimmt und die Schuld den Arbeitgebern und Pflegenden zuschiebt!
Faire Gehälter können nur bei fairen Leistungsvergütungen bezahlt werden!
 
Erklären Sie uns doch bitte einmal, wie mit den niedrigen Vergütungen, z.B. bei einer „kleinen Morgentoilette“ für 12,56 € oder einer „Medikamentengabe“ für 4,29€ in der ambulanten Pflege oder einem Pflegesatz von 50 – 70 € / Tag für den Pflegegrad 4 in der stationären Pflege gute Gehälter gezahlt werden können und menschliche Arbeitszeitmodelle geschaffen werden sollen? Eine aktuelle Anfahrtspauschale ambulant in Höhe von 3,41€ für Gehalts- und Sachaufwand runden den Wahnsinn ab!
 
Es reicht!

Seit Jahren bitten und betteln wir darum, dass wir unseren Beruf so ausüben dürfen, wie wir ihn gelernt haben. Die Politik ist verantwortlich dafür, dass die Gesundheitsversorgung aller Bürger*innen gesichert ist.
Wir wollen und können es nicht länger akzeptieren, dass die Kassen der gesetzlichen Krankenversicherungen überquellen, zugleich aber die Versorgung von kranken und pflegebedürftigen Menschen immer größere Defizite aufweist.
Die Krankenkassen sind nicht die „Sparkassen“ der Versicherten. Von den Kassen kann erwartet werden, dass schwerstkranke alte Menschen nicht durch Antragsverfahren und Leistungsverweigerungen zermürbt werden.

Die Qualitätskontrollen in der heute vorliegen Form dienen nicht der Verbesserung der Qualität. Sie sind schlichtweg eine Schikane und belasten Pflegekräfte und Pflegeeinrichtungen enorm! Wichtige Personalressourcen werden dem pflegebedürftigen Menschen vorenthalten. Dieser Irrsinn kostet die Versicherten / die Steuerzahler*innen Millionen – und dass, obwohl inzwischen wissenschaftlich bewiesen ist, dass die derzeitigen Kontrollen die Pflegequalität nicht verbessern!
Des Weiteren verschwenden sinnfreie Bürokratie und Verwaltungsakte erhebliche Zeitressourcen! Es scheint, als ob die Endbürokratisierungsbemühungen mit der Einführung der SIS im Bereich der Pflegedokumentation als erfolgreich abgeschlossen angesehen werden. Wahr ist jedoch, dass der Verwaltungsaufwand im Bereich der Leistungserbringung und Leistungsabrechnung immer weiter zu- und nicht abnimmt.
 
Es ist eine Schande für ein so reiches Land wie Deutschland, seine alten und kranken Menschen so schlecht zu unterstützen, während in die Industrie- und Bankenrettung Milliarden fließen.
Die Pflege in Deutschland schafft genauso viele Arbeitsplätze wie die Automobilindustrie – das nur am Rande.
 
Wir sind nicht mehr bereit und in der Lage, unter den jetzigen Rahmenbedingungen für das Gesundheitssystem in Deutschland zu arbeiten und fordern Sie auf, in den direkten Dialog mit uns und den Betroffenen zu treten. Wir bitten um einen zeitnahen Termin.
 
Unsere Forderungen finden Sie in der Anlage!
 
Aktionsbündnis
„Pflege steht auf“

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